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Warum?

„Warum“ ist mit Abstand meine Lieblingsfrage. Und die mit Abstand am schwersten zu beantwortende. Das „wie“ ist da schon etwas einfacher. Das „warum“ machen wir uns auch sehr gerne sehr einfach. Darum. Ist jetzt halt mal so. Aber nein, es ist nicht einfach mal so. Wir machen gar nichts einfach mal so. Aber um das „warum“ heraus zu finden, müssen wir graben und ehrlich sein und das ist manchmal einfach nicht schön. Und ein Tier macht schon mal überhaupt gar nicht einfach so. Und bei ihnen das „warum“ zu ergründen ist noch spannender!

Ich hatte kürzlich ein Gespräch mit einer Kundin über ihren Hund. Mir geht es immer darum, in den Gesprächen den Menschen so gezielt auf das Verhalten des Hundes aufmerksam zu machen, um das Warum heraus zu finden. Dazu sehen wir uns vor allem den Menschen an. Denn sehr viel von dem Verhalten eines Hundes, ist in dem Verhalten des Menschen begründet. Ein Hund möchte uns immer etwas mitteilen. Er hat neben bellen und knurren nur sein Verhalten als Kommunikations-Möglichkeit.

In unserem Gespräch ging es um ihre Probleme mit ihrem Hund, der fremde Menschen und Hunde anbellt und bei Besuch oft extrem nervös ist. In dem Gespräch kam dann raus, das der Hund das Verhalten gegenüber Fremden nicht zeigt, wenn der Ehemann mit dem Hund unterwegs ist. Der Mann hätte den Hund einmal zurecht gewiesen und seit dem sei alles in Ordnung bei den beiden.

Ich stelle immer extrem viele Fragen und bitte meine Klientinnen, darauf zu achten, ob ihnen manche Themen bekannt vor kommen. Ob sie Parallelen sehen zu ihrem Leben, Gefühlen oder Alltag. Das muß mir zu Beginn gar keiner groß erzählen, es ist nur wichtig es für sich selbst zu erkennen.

Denn im Laufe des Gespräches kam heraus, daß sie ein Problem mit Sichtbarkeit hat. Sie hasst es mit dem Hund an der Leine um den Block zu laufen und Menschen zu begegnen und sich deren blöde Sprüche anhören zu müssen. Das ist für sie der Innbegriff von Zwang, Frust und Drama. Dafür liebt sie es, mit ihrem Hund etwas weiter raus zu fahren und dort frei und ohne Druck und Zwang einfach sein zu können, laufen, träumen, erholen. Voila! Hier gibt es auch keinerlei Probleme oder Auffälligkeiten.

Ihrem Mann ist das völlig egal. Der geht einfach um den Block. Ihn interessiert es nicht, was die Nachbarn denken.

Hier kommen zwei Komponenten zusammen. Die eine ist die männliche und die weibliche Energie. Ich werde darauf morgen in einem extra Text eingehen, denn das würde hier jetzt den Rahmen sprengen. Der zweite Punkt ist, die allgemeine Energie, die Vorahnung, die schlechte Stimmung.

Meine Kundin will oder muß mit ihrem Hund eine Runde an der Leine um den Block gehen. Manchmal ist das so. Sie hat das Haus noch nicht verlassen, da ist sie schon nervös und gestresst. Sie nimmt ihren Hund an die Leine und sobald sie die Straße betreten hat, beginnt sie, nach potentiellen Gefahrenquellen Ausschau zu halten. Sie ist von Anbeginn nicht im Hier und Jetzt und nicht bei Ihrem Hund, in ihrem Kopf spielen sich dafür schon alle erdenklichen Horro-Szenarien ab.

Was macht der Hund? Der Hund spürt diese extreme Belastung. Er spürt die Angst und die Nervosität. Aber da ist nichts. Das ist für den Hund sehr schwer nachzuvollziehen. Da ist gar nichts. Also wovor hat Frau jetzt solche Angst? Und dann kommt da wer und sie ruft ihren Hund ab, nimmt die Leine kurz und fängt an zu beten, daß bloß alles gut geht. Der Hund hat endlich den Feind gefunden und versucht jetzt zu reagieren. Er weiß aber nicht wie. Er macht etwas zwischen knurren und bellen obwohl er viel lieber fröhlich Hallo sagen möchte.

Der andere Hund kann ihn nicht verstehen und klar deuten und wird unsicher, er beginnt vorsichtshalber auch mal ablehnend zu reagieren. Der Mensch am anderen Ende der Leine wird auch nervös. Eine Kettenreaktion. Zum Vergleich, der Ehemann nimmt einfach den Hund und geht los. Nichts passiert.

Das ist ein ganz tolles „Warum“. Also, warum der Hund an der Leine so ein Theater veranstaltet. In der Folge werden wir Strategien und Methoden für meine Klientin entwickeln, wie sie mit der Situation besser umgehen kann. Wie sie lernen kann, mit Sichtbarkeit umzugehen und wie sie sich schon vor dem Spaziergang stabilisieren kann um gar nicht erst in diesen Strudel zu geraten.

Das Thema Hund und Gäste begegnet mir auch immer wieder. Auch dazu wird es am Wochenende einen Text geben.

 
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Verfasst von - 29/04/2022 in Coaching

 

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